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Vorwort

Welches ist dasjenige Format, in dem heute weltweit die meisten Dateien gespeichert vorliegen – TIFF als derzeit (noch) häufig verwendetes Archivformat? JPEG wegen der zahlreichen Digitalkameras und Handys? HTML wegen der vielen Webseiten? Microsoft Word wegen seiner Verbreitung in der Office-Welt? E-Mails (nicht nur wegen Spam)? Oder PDF? Nachgezählt haben wir nicht, und vertrauenswürdige Statistiken kann ich nicht vorweisen. Interessant ist aber, dass sich aus nahezu jedem anderen Format in sinnvoller Weise ein PDF erstellen lässt, was andersherum allenfalls mit teilweise deutlichen Einschränkungen möglich ist. Eine Schwäche des PDF-Formats ist dabei zugegebenermaßen, dass es nicht gut geeignet ist zum weiteren Bearbeiten. Beim Archivieren jedoch wird daraus eine Stärke: Ist PDF also das universelle finale Dokumentenformat – gleichsam der Königsweg der elektronischen Dokumentenarchivierung?

Seit sich Computer in unserer Arbeits- und Lebenswelt während der vergangenen dreißig Jahre so stark ausgebreitet haben, haben wir schon viele Dateiformate kommen und gehen sehen. Das Bessere ist der Feind des Guten, was heute gut ist, kann morgen schon passé sein. Wer sagt, dass nicht auch PDF in ein paar Jahren oder einem Jahrzehnt in Bedeutungslosigkeit versinkt, abgelöst von noch leistungsfähigeren Formaten für die noch viel authentischere Repräsentation aller nur erdenklichen Inhalte? (Wie werden eigentlich Zeitschriftenanzeigen von Parfümherstellern mit aufgedruckten Duftproben archiviert? Wie bewahrt man SMS-Mitteilungen GDPdU-gerecht auf?)

Vielleicht verschwindet irgendwann sogar das Konzept isolierter „Dokumente“: Alle Inhalte sind übergangslos miteinander verknüpft, und wir bewegen uns nur noch in zwar digital-virtuellen, aber als real erlebten Geflechten mannigfaltiger Beziehungen, die Ausprägung finden in einem sich in jeder Sekunde neu erfindenden Netz von Äußerungen und Eindrücken – ein Netz, das zwar funktioniert, aber schwerer zu greifen ist als der Geruch von Schnee? Mag sein. Wir werden uns darum kümmern, wenn es soweit ist.

Bis dahin gibt es noch genug zu tun, damit uns die Dokumente, mit denen wir heute umgehen, nicht abhanden kommen. Und das sind nun mal zunehmend digitale und digital genutzte Dokumente. Hier ist PDF eine sehr relevante Option, auch und vor allem digitalen Dokumenten ihre Vergänglichkeit mit digitalen Mitteln zu rauben. Der Verlässlichkeit halber sollte dies aber nicht jedes beliebige Feld-, Wald- und Wiesen-PDF sein, sondern eine klar festgelegte und allgemein anerkannte Spielart von PDF – etwas Reelles sozusagen. Über solch eine PDF-Variante haben sich eine Reihe internationaler Fachleute viele Monate lang Gedanken gemacht und diskutiert, und sind im Rahmen der Normungsarbeit des ISO-Komitees TC 171 übereingekommen, das Ergebnis ihres Nachdenkens und Diskutierens der Verabschiedung als ISO-Standard ISO 19005-1 zuzuführen – besser bekannt als PDF/A-1. Ein zugegebenermaßen sehr knapper und ausgesprochen dröger Normtext, der sich auch bei wiederholtem Lesen nicht jedermann mühelos erschließt.

Die folgenden Seiten zeigen in etwas leichter verdaulicher Form auf, was es mit PDF/A-1 auf sich hat, und eignen sich zugleich als Orientierung bei den ersten Schritten mit diesem Archivierungsstandard.

Berlin, im Mai 2007

Olaf Drümmer, Alexandra Oettler und Dietrich von Seggern