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PDF/X – Standard für die Druckdaten-Übermittlung - Worin genau liegen eigentlich die Vorteile?

von Peter Kleinheider,
Manager Print Publishing Technologies,callas software GmbH

Ausgangslage

Seit mehreren Jahren hat das PDF-Format seinen endgültigen Durchbruch bei der Übermittlung fertiger Druckdaten erreicht. Die Frage lautet daher schon lange nicht mehr, ob offene Dateien oder doch gleich PDF verwendet werden soll. Die Vielzahl der auftretenden Probleme, die es früher in Verbindung mit den Software eigenen Layoutformaten gab, wurden durch PDF drastisch verringert. Das PDF jedoch nicht das Allheilmittel für alle Probleme mit Druckdaten ist, hat der eine oder andere bereits schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen. Das PDF-Format an sich ist dumm und trägt selbst nicht zur Sicherstellung einer hohen Qualität der zu druckenden Dateiinhalte bei. Es kann vielmehr als Container betrachtet werden, bei dem es davon abhängt, womit man diesen befüllt.

Einige der negativen Beispiele sind nicht eingebettete Schriften, nicht den Anforderungen entsprechenden Farben oder falsch definierte Formatdimensionen. Da der Erstellungsprozess eines Layouts nicht in jedem Schritt kontrolliert werden kann – zu diesem Zeitpunkt hat man es oft mit unterschiedlichstem Ausgangsmaterial und Personengruppen zu tun – ist den eventuell auftretenden Fehler durch eine entsprechende Prüfung des druckfähigen PDF entgegen zu wirken.

Um einen Wildwuchs an möglichen PDF-Prüfprofilen einzudämmen und der Branche eine solide Basis an Grundanforderungen für druckfertige PDFs zu geben, hat sich das technische Komitee TC 130/WG 3 der ISO zusammengesetzt. Es hat im Jahre 2002 (unter anderem durch starke Unterstützung aus Deutschland und der Schweiz) den PDF/X Standard (ISO 15930) aus der Taufe gehoben. Das X steht dabei für “blind exchange” – also sozusagen „ohne notwendige Nachfrage“.

Mittlerweile haben wir 2007. Der PDF/X Standard wurde einmal angepasst, zur Lieferung druckfertiger Daten kommen fast ausschließlich PDF-Dateien zum Einsatz, doch der Anteil an PDF/X Dateien ist verschwindend gering. Wurde das gesetzte Ziel der problemlosen PDF-Verarbeitung nicht erreicht.

PDF-„Lieferanten“ haben viele Fragen

Wenn man sich bei den “nur” PDF-Lieferanten umhört, so gibt es eine Vielzahl an Ausreden, nicht PDF/X-Dateien zu liefern. So unter anderem:

  • Was ist PDF/X überhaupt?
  • Wir würden es gerne liefern, unsere Druckerei kann es jedoch nicht?
  • Wir haben es probiert, es hat aber trotzdem Probleme gegeben?
  • Wenn wir ein PDF/X erstellen wollen, bekommen wir immer wieder Fehlermeldungen?
  • Für PDF/X benötigt man ein ICC Profil, so weit sind wir noch nicht?
  • PDF/X verlangt ein ICC Profil zur Definition der Ausgabebedingung, die Druckerei gibt uns jedoch kein Profil dafür?

Man fragt sich zu Recht: Was ist mit PDF/X schief gelaufen? Für mich allerdings zeigen die Fragen, dass bei Anwendern eine Vielzahl von riesengroßen Missverständnissen vorherrschen.

Antworten auf die häufigsten Missverständnisse

Denn zur Frage “Was ist PDF/X überhaupt?” gibt es eine sehr einfache Antwort: “Ein PDF/X ist eine einfache PDF Datei, die dahin gehend kontrolliert wurde, ob nur druckbare Elemente enthalten sind, alle notwendigen Elemente zur Ausgabe vorhanden sind und alle Farben definiert wurden. Darüber hinaus transportiert eine PDF/X Datei die beabsichtigte Ausgabebedingung.”

Somit ist eine PDF/X-Datei in jedem PDF tauglichen Workflow ohne weiteren Probleme zu verarbeiten, da es sich “lediglich” um eine geprüfte und nach den PDF/X-Richtlinien gekennzeichnete PDF-Datei handelt.

Zur Problematik des für die PDF/X-Erstellung notwendigen ICC-Profils ist folgendes zu sagen: Der so genannte Output Intent (zu Deutsch: Ausgabebedingung) definiert das Druckverfahren, für welches die Daten aufbereitet wurden. Im Regelfall (oder im Zweifelsfall) handelt es sich um Daten, die für den Offsetdruck auf gestrichenem Papier aufbereitet sind. Der zu wählende Output Intent ist somit ISOcoated V2 - dem Standardprofil für diese Druckbedingung. Dieses ICC-Profil ändert die Daten in keinem Fall und kann ohne Bedenken verwendet werden. Damit sich der Empfänger auf diese Information verlassen kann, ist auf die korrekte Wahl des ISO-Profils bei anderen Druckbedingungen zu achten. (Also bei anderem Druck als Offsetdruck auf gestrichenem Papier).

Zur Aussage: “Wir haben es probiert, es hat aber trotzdem Probleme gegeben” muss ich feststellen: PDF/X sagt kaum etwas über die resultierende Qualität aus. Weiterreichende Anforderungen wie Gesamtfarbauftrag, Anzahl und Name der Schmuckfarben, minimale Bildauflösung, minimale Strichstärke, Seitendimension, Seitenumfang und Überfüllung sind nicht durch den Standard definiert. Da all diese Parameter sehr stark von dem Druckverfahren, der gewünschten Qualität und dem Bedruckstoff abhängen, macht das Definieren dieser Anforderungen in einer Norm keinen Sinn. Zu vielfältig und schnelllebig wären diese Definitionen, die Norm wäre nicht anwendbar. Für diese Zwecke haben Branchenvereinigungen Vorgaben und Qualitätsrichtlinien für verschiedene Ausgabebedingungen definiert. Nennenswert in diesem Zusammenhang ist die internationale Ghent PDF Workgroup (kurz GWG), und die Schweizer PDFX-ready Initiative (basierend auf den GWG Spezifikation). Beide haben sich zum Ziel gesetzt, auf Basis des PDF/X Standards zusätzliche Kriterien zu definieren, welche die qualitativen und drucktechnischen Belange verschiedener Ausgabeverfahren voraussetzen.

Etwas Verwirrung stiftet die Ausprägung von PDF/X als PDF/X-1a (ISO 15930-1 und 4) und PDF/X-3 (ISO 15930-3 und 6). Auch hier ist die Antwort leicht gegeben: Wurden bei der Gestaltung nur Prozess- und Schmuckfarben verwendet, so ist PDF/X-1a die richtige Wahl. Möchten Sie jedoch ihre Medien unabhängigen RGB-Daten mit angegebenem Quellprofil auch im PDF definiert sehen, so ist der PDF/X-3 Standard für Sie das richtige. Jedoch muss auch gleich eines dazugesagt werden: Eine PDF/X-3 Datei muss nicht unbedingt per ICC Profil definierte Farben beinhalten. Es ist nur eine Option. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich die Methodik der generellen PDF/X-3 Lieferung etabliert, jedoch mit der Einschränkung, keine ICC basierten Farben zu verwenden.

Unterstützung der PDF/X Erzeugung

PDF/X Dateien werden entweder über interaktive PDF Prüfwerkzeuge erzeugt (z. B. das in Acrobat Professional integrierte Preflight Werkzeug), beim Direktexport aus dem Layoutprogramm (z.B. InDesign PDF-Export), oder im Zuge der PDF Erstellung über Acrobat Distiller. In automatisierten PDF-Workflows kommen ebenfalls PDF/X Erzeugungs- und Verifizierungsmodule zum Einsatz, wenn diese entsprechend konfiguriert werden.

Um vor der Endausgabe wirklich sicher zu gehen, sollte das PDF in jedem Fall nochmals ausgedruckt (bitte mit aktiver Überdruckvorschau), als auch einer Separationskontrolle, im Falle von Schmuckfarben und überdruckenden Elementen, unterzogen werden. Hat man nun eine PDF/X Datei, die zusätzlich einer Branchenempfehlung entspricht, vor sich, so sind Probleme bei der Ausgabe weitestgehend ausgeschlossen.

Auf der Empfängerseite ist ein effektiveres Verarbeiten der Daten dadurch gewährleistet, da etwaige Warnungen beim Prüfen der PDF durch den Lieferanten bereits goutiert wurden, was Rückfragen minimiert und dadurch wieder Zeit spart. Wird das PDF im weiteren Verlauf 1:1 ausgegeben, so ist eine hundertprozentige Übereinstimmung mit dem visuellen kontrollierten Ergebnis auf Lieferantenseite gewährleistet.

Ausblick in die Zukunft

Durch die vermehrte Verwendung von Transparenzen und dem Wunsch diese im PDF zu erhalten, wurde der PDF/X-4 Standard definiert. Der PDF/X-4 Standard basiert auf PDF/X-3 und erlaubt zusätzlich zu Transparenzen unter anderem die JPEG2000 Komprimierung und die Verwendung von Ebenen. Mit seiner Veröffentlichung wird im dritten Quartal dieses Jahres gerechnet. Somit müssen Transparenzen bei der PDF-Erstellung nicht länger flach gerechnet werden, was bei falschen Reduzierungseinstellung zu qualitativen Einbußen geführt hat. Auch das nachträgliche Konvertieren von Schmuckfarben zu CMYK war durch eine damit einhergehende visuelle Änderung des Erscheinungsbildes nicht immer möglich. Steht bei der Ausgabe kein moderner Workflow mit automatischer Transparenzverrechnung zur Verfügung, halte ich den Erhalt der Transparenzen für sinnvoll, da mittels Acrobat 8 ein professionelles Werkzeug zur Verfügung steht, um Transparenzen kontrolliert zu reduzieren. Wird darüber hinaus mit medienneutralen Inhalten im PDF gearbeitet, das heißt sind z.B. Bilder im PDF zusätzlich mit ICC-Quellprofilen versehen, so führt für die problemlose Ausgabe kein Weg an PDF/X-4 vorbei.

Daher: wenn PDF eingesetzt werden soll, dann bitte ein geprüftes PDF/X. Besser noch: Nach den Richtlinien von PDFX-ready oder GWG.


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